Demografischer Wandel, digitale Fortschritte und noch vieles mehr: Die Pflege steht an der Schwelle bedeutender Veränderungen. Die gesamte Branche muss sich mit der zukünftigen Rolle der Pflege auseinandersetzen, um auf die bevorstehenden Herausforderungen und sich ergebenden Chancen vorbereitet zu sein. In diesem Blogbeitrag werden wir aktuelle Trends und Prognosen für die kommenden Jahre beleuchten, um zu verstehen, wie sich die Pflege entwickeln wird und welche Strategien erforderlich sind, um eine hochwertige Pflege in einer sich verändernden Welt sicherzustellen.
In Deutschland gibt es immer mehr alte und immer weniger junge Menschen. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung, die den demografischen Wandel zusätzlich untermauert. Da das Alter oft mit einer Zunahme an gesundheitlichen Beschwerden einhergeht, erhöht sich langfristig auch der Bedarf an professioneller Pflege. Ende 2021 gab es hierzulande knapp 4,9 Millionen Pflegebedürftige. Bis zum Jahr 2035 wird diese Zahl um 14 % auf etwa 5,6 Millionen Menschen mit Pflegebedarf anwachsen. Das bedeutet folgerichtig, dass zum einen ausreichend Pflegeplätze geschaffen werden müssen. Zum anderen geht es aber auch um die Gewinnung und Sicherung qualifizierten Personals.
In der Pflege herrscht seit mehreren Jahren ein anhaltender Fachkräftemangel. Viele Pflegekräfte hängen ihren Job an den Nagel oder reduzieren ihre Arbeitszeit. Die Gründe dafür reichen von unzuverlässigen Dienstplänen über zu wenig Zeit für menschliche Zuwendung bis zu fehlender Wertschätzung.
Die Corona-Pandemie hat bestehende Probleme noch verstärkt. Das stellt nicht nur eine quantitative Herausforderung dar.
Auch die Pflegequalität steht und fällt mit der Qualität des Personals. Bei besseren Arbeitsbedingungen ergäbe sich laut der Studie „Ich pflege wieder, wenn…“ (2021) ein enormes Potenzial: Mindestens 300.000 Vollzeit-Pflegefachkräfte stünden deutschlandweit zur Verfügung.
Um den Personalbedarf langfristig zu decken, braucht es effektive Strategien zur Steigerung der Attraktivität des
Pflegeberufs. Um die Arbeitszufriedenheit zu steigern, wurden bereits und werden weiterhin verschiedene
Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören u. a.:
💰 Löhne und Gehälter im Pflegebereich entwickeln sich positiv.
🚀 Chancen für Weiterbildungen schaffen Selbstverwirklichung und neue Aufstiegsmöglichkeiten.
⏰ Die Work-Life-Balance kann durch flexible Arbeitszeitmodelle gefördert werden.
💪 Programme zur Gesundheitsförderung entlasten Mitarbeitende.
📋 Zuverlässige Dienstpläne bieten Pflegekräften mehr Planbarkeit.
Ebenso wichtig für eine gute Personaldecke ist natürlich auch die Nachwuchsförderung. Die generalistische
Pflegeausbildung macht den Pflegeberuf vielseitiger. Eine Anpassung der Ausbildungsvergütung erhöht
zusätzlich die Attraktivität der Ausbildung und schafft Anreize für Berufseinsteiger*innen. Darüber hinaus schafft
die hochschulische Pflegeausbildung, gestärkt durch das Pflegestudiumstärkungsgesetz, weitere attraktive
Wege in den Pflegeberuf.
In der Pflege gibt es außerdem große regionale Unterschiede, die angepasste Strategien erfordern. In ländlichen Gebieten mit niedriger Bevölkerungsdichte gibt es weniger Pflegeeinrichtungen als in städtischen Zentren. Gleichzeitig führt die größere Anzahl von älteren Menschen auf dem Land zu einem höheren Versorgungsbedarf. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass junge Arbeitskräfte und damit auch Pflegepersonal vermehrt in Städte abwandern. So entstehen vielerorts Lücken in der Gesundheitsinfrastruktur. Um eine stabile Versorgungsstruktur und Pflegeleistungen für alle zu ermöglichen, werden ein ausgewogener Mix aus verschiedenen Versorgungsformen und eine Stärkung der lokalen Gesundheitsressourcen in Zukunft noch relevanter werden. Dazu können verschiedene Maßnahmen wie beispielsweise gezielte Ausbildungsoffensiven zur Gewinnung von Pflegepersonal außerhalb der Ballungszentren eingeleitet werden.
Um der alternden Bevölkerung gerecht zu werden und die Qualität der Pflege zu halten und zu verbessern, werden innovative Versorgungsansätze immer wichtiger. Sie ermöglichen es, auf individuelle Bedürfnisse der Pflegebedürftigen besser einzugehen. Ebenso wird die zunehmende Digitalisierung zu effizienteren Prozessen und einer besseren Vernetzung beitragen. Denkbare Neuerungen sind etwa telemedizinische Anwendungen zur Überwachung und Beratung von Kund*innen und deren Angehörigen, digitale Pflegeassistenzsysteme zur Entlastung der Pflegekräfte, Pflegeroboter zur Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben sowie die Schaffung digitaler Plattformen für eine vereinfachte Dokumentation.
Die Pflege steht aktuell einmal mehr vor einer Situation, die Herausforderungen genauso wie Chancen bietet. Um den Aufgaben von heute und morgen zu begegnen, müssen alle Akteure – von der Politik über die Pflegebetriebe bis hin zur Gesellschaft – gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten. Eine zentrale Aufgabe hierbei bleibt es, die Attraktivität des Pflegeberufs wieder zu steigern. Selbstverständlich wird sich die Pflegebranche nicht über Nacht transformieren. Aber wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, können wir die Pflege in eine erfolgreiche Zukunft führen.
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