Erste Schritte in der Pflege: Was Sie in Ihrem ersten Jahr als Azubi erwarten können

9. August 2024

Der Beginn einer Ausbildung ist ein aufregender und bedeutender Schritt. Das erste Jahr als Azubi ist geprägt von neuen Erfahrungen, Herausforderungen und einer steilen Lernkurve. Wie bei allen Ausbildungen gibt es auch in der Pflege einen Leitfaden, an dem sich Ihr Weg zur Fachkraft orientiert. Wir wollen uns in diesem Beitrag ansehen, was Sie in Ihrem ersten Ausbildungsjahr erwartet. Tauchen Sie ein in die Welt der Pflege und entdecken Sie, was diese wichtige und erfüllende Berufswahl für Sie bereithält.

Der Landeslehrplan: Lernfelder im Unterricht

In Deutschland existieren bundeseinheitliche Rahmenpläne, die den einzelnen Ländern als Basis für ihre eigenen Lehrpläne dienen. Der Landeslehrplan Baden-Württemberg ist in unserem Bundesland die zentrale Grundlage für die Pflegeausbildung. Für den Unterricht an der Pflegefachschule sind elf Lernfelder bzw. Curriculare Einheiten (CE) vorgesehen, die alle bereits im ersten Ausbildungsjahr unterrichtet werden:


CE 01: Ausbildungsstart − Pflegefachfrau/Pflegefachmann werden

In diesem Lernfeld geht es darum, in der Ausbildung anzukommen und Fuß zu fassen. Sie lernen die Handlungsfelder der professionellen Pflege kennen und werden dabei begleitet, ein berufliches Selbstverständnis zu entwickeln. Auch Themen wie Beziehungsgestaltung und wirksame Zusammenarbeit im Team stehen auf dem Lehrplan.


CE 02: Zu pflegende Menschen in der Bewegung und Selbstversorgung unterstützen

Um Mobilität als wichtigen gesundheitlichen Aspekt bei Ihren Kund*innen zu fördern, lernen Sie mobilitäts- und entwicklungsfördernde Bewegungskonzepte kennen. Außerdem erwerben Sie in diesem Lernfeld grundlegende pflegerische Kompetenzen, um Menschen mit Einschränkungen in der Selbstversorgung (z. B. Körperpflege, Anziehen) zu unterstützen.


CE 03: Erste Pflegeerfahrungen reflektieren − verständigungsorientiert kommunizieren

Im ersten Lehrjahr ist ein langer Orientierungseinsatz vorgesehen (s. u.), bei dem Sie erste praktische Erfahrungen sammeln werden. Anschließend haben Sie in diesem Lernfeld die Möglichkeit, Ihre Eindrücke zu reflektieren. Es geht darum, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und zu verbalisieren, um die Idealvorstellung des Berufs und die Realität abzugleichen.


CE 04: Gesundheit fördern und präventiv handeln

In diesem Lernfeld befassen sich Auszubildende speziell mit den gesellschaftlich relevanten Handlungsfeldern der Gesundheitsförderung und Prävention. Im ersten Ausbildungsjahr sollen Sie dabei das eigene Verständnis von Gesundheit und gesundheitsförderlichem Handeln reflektieren und außerdem Maßnahmen zur eigenen Gesunderhaltung entwerfen.


CE 05: Menschen in kurativen Prozessen pflegerisch unterstützen und Patientensicherheit stärken

Kurative Prozesse sind in allen Pflegeformen erfolgskritisch. Dabei müssen Pflegekräfte die Patientensicherheit gewährleisten und tragen folglich eine hohe Verantwortung. Sie lernen, wie Sie Handlungsmuster der wichtigsten Pflegediagnosen umsetzen und im Rahmen kurativer Pflege mit anderen Berufsgruppen, etwa Ärzt*innen, zusammenarbeiten. 


CE 06: In Akutsituationen sicher handeln

Pflegekräfte werden im Laufe ihres Berufslebens häufig mit Akutsituationen konfrontiert, in denen sie schnell und sicher reagieren müssen. Umso wichtiger ist das Wissen, wie man Sofortmaßnahmen einleitet und koordiniert. Dabei lernen Auszubildende auch, die eigene Fassung sowie Handlungsfähigkeit zu bewahren und belastende Ereignisse im Nachhinein zu verarbeiten. 


CE 07: Rehabilitatives Pflegehandeln im interprofessionellen Team

Rehabilitative Pflege ist besonders in der Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen, Folgeerkrankungen durch Unfälle sowie mit (drohenden) Behinderungen von Bedeutung. Im ersten Lehrjahr lernen Sie, wie Sie rehabilitative Aufgaben in wenig komplexen Pflegesituationen durchführen.


CE 08: Menschen in kritischen Lebenssituationen und in der letzten Lebensphase begleiten

In diesem Lernfeld befassen Sie sich mit der Begleitung und Unterstützung in kritischen Lebenssituationen, z. B. mit chronischen, onkologischen oder anderen lebensverkürzenden Erkrankungen. Sie lernen, wie Sie die Betroffenen und ihre Angehörigen fachlich begleiten und unterstützen.


CE 09: Menschen in der Lebensgestaltung lebensweltorientiert unterstützen

Professionelle Pflegekräfte helfen Pflegebedürftigen auch hinsichtlich ihrer persönlichen Lebensgestaltung, indem sie bei der Bewältigung von Entwicklungsherausforderungen unterstützen. Sie lernen, wie Sie den Pflegeprozess gestalten und dabei die Lebenswelt, die Biografie, kulturelle und religiöse Kontexte, das familiäre Umfeld und weitere soziokulturelle Aspekte berücksichtigen.


CE 10: Entwicklung und Gesundheit in Kindheit und Jugend in Pflegesituationen fördern

Die generalistische Pflegeausbildung sieht auch einen pädiatrischen Pflichteinsatz vor. In Vorbereitung hierauf beschäftigen Sie sich u. a. mit der Entwicklungsförderung von Kindern und Jugendlichen sowie im Rahmen der Elternarbeit auch mit der Förderung der Elternkompetenz durch Informationen, Beratung und Schulung.


CE 11: Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und kognitiven Beeinträchtigungen personenzentriert und lebensweltbezogen unterstützen

Im dritten Ausbildungsjahr findet ein Pflichteinsatz in der psychiatrischen Versorgung statt. Darauf bereiten sich Auszubildende bereits von Beginn an vor. Sie lernen die häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen kennen und erwerben Wissen darüber, wie eine reflektierte Beziehungsgestaltung zu Menschen mit psychischen Problemen gelingen kann.


Wenn Sie noch mehr über die Inhalte der einzelnen Lernfelder in der Pflegeausbildung erfahren möchten, informieren Sie sich gerne direkt beim Ministerium für Soziales und Integration.


Die praktischen Fähigkeiten, die Sie in der Pflegeausbildung erlernen werden erklären wir hier:

Die wichtigsten Fähigkeiten, die Sie in der Pflegeausbildung erlernen werden

In der Praxis: Orientierungseinsatz und Facheinsätze

Der praktische Teil Ihrer Ausbildung beginnt mit dem Orientierungseinsatz, der mit 400 Stunden sehr umfangreich ist. Dieser Einsatz findet immer beim Ausbildungsträger statt. Hier gewinnen Sie erste Einblicke in die Pflegetätigkeit, die sich natürlich je nach Versorgungsbereich anders gestaltet. Das heißt, bei uns sind Sie in der ambulanten Altenpflege unterwegs und können auch unsere Tagespflege kennenlernen. Dabei dürfen Sie bei Menschen mit geringem Pflegebedarf erste pflegerische Aufgaben übernehmen. Bei der Versorgung von Menschen mit einem höheren Grad an Pflegebedürftigkeit erfolgt die Versorgung immer zusammen mit einer examinierten Fachkraft. 


Nachdem Sie im Orientierungseinsatz erste Erfahrungen sammeln konnten, folgen die Facheinsätze bei anderen Pflegeeinrichtungen. Einsatzbereiche sind die stationäre Akutpflege, die stationäre Langzeitpflege oder die ambulante Akut-/Langzeitpflege. Sie lernen also verschiedene Bereiche der Pflege kennen, darunter die Arbeit im Krankenhaus oder im Pflegeheim. All diese Pflichteinsätze sollten in den ersten beiden Ausbildungsjahren absolviert werden, wobei die Reihenfolge frei wählbar ist.


Ebenfalls innerhalb der ersten beiden Lehrjahre wartet noch der pädiatrische Pflichteinsatz auf Sie, bei dem Sie sich mit der Versorgung von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen. Hier lernen Sie, wie Sie Heranwachsende vom Neugeborenen bis zum jungen Erwachsenen nach ihren Bedürfnissen pflegen. Außerdem spielt auch die Interaktion mit der Familie und anderen Bezugspersonen eine zentrale Rolle.


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Fazit: Ihr erster Schritt zum Pflegeprofi

Das erste Jahr Ihrer Pflegeausbildung ist eine aufregende und lehrreiche Zeit, die den Grundstein für Ihre zukünftige Karriere legt. Sie werden viele neue Fähigkeiten erlernen, wertvolle Erfahrungen sammeln und sich sowohl persönlich als auch beruflich weiterentwickeln. Das garantieren elf spannende Lernfelder und abwechslungsreiche Einsätze in der Praxis. Wir sind uns sicher: Mit Neugier und Leidenschaft werden Sie das erste Jahr erfolgreich meistern.

Ich will Pflege-Azubi werden

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